Nordic Walking: So gesund ist das Training mit Stöcken

Redaktion
IKK classic

Die beliebte Sportart aus Skandinavien ist seit Jahren im Trend. Kein Wunder: Nordic Walking ist sowohl für Anfängerinnen und Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet und trainiert den ganzen Körper. Hier erfahren Sie, warum Nordic Walking so gesund ist, worauf es bei der Technik, der Stocklänge und bei den Schuhen ankommt und wie es sich ganz einfach in den Alltag integrieren lässt.

Nordic Walking wird häufig unterschätzt, da es auf den ersten Blick wie ein ruhiges Gehen wirkt. In der Praxis ist es jedoch eine klar strukturierte Ausdauersportart mit definiertem Bewegungsmuster und aktivem Einsatz des Oberkörpers. Dabei lässt sich die Intensität sehr gut steuern – von sehr moderaten bis hin zu fordernden Trainingseinheiten.

Gerade diese Flexibilität macht Nordic Walking für die Sport- und Gesundheitswissenschaft interessant: Die Belastung kann an die individuellen Voraussetzungen angepasst werden, ohne dass sich der Bewegungsablauf grundlegend verändert. Wir erklären, warum die nordische Art des Gehens so gesund ist.

Was ist Nordic Walking?

Nordic Walking ist eine Ausdauersportart, bei der schnelles Gehen mit dem gezielten Einsatz spezieller Stöcke kombiniert wird. Die Bewegungen orientieren sich am diagonalen Bewegungsablauf: Rechter Arm und linkes Bein arbeiten dabei gleichzeitig zusammen – und umgekehrt.

Dass die Technik stark an den Skilanglauf erinnert, ist kein Zufall. Entwickelt wurde Nordic Walking ursprünglich in Finnland als Sommertraining für Skilangläuferinnen und Skilangläufer. Ziel war es, typische Bewegungsabläufe des Skilanglaufs und die Ausdauer auch außerhalb der Wintersaison zu trainieren – viele Jahre bevor der „Sport am Stock“ Anfang der 2000er-Jahre auch im Breitensport populär wurde. Erst Ende der 1990er-Jahre wurde Nordic Walking offiziell als eigenständige Sportart anerkannt.

Warum ist Nordic Walking so gesund?

Doch wie hat es diese sportliche Form des Gehens in die breite Masse geschafft? „Sie ist leicht zugänglich für Anfängerinnen und Anfänger, gesund und stärkt die gesamte Körpermuskulatur“, erklärt Harald Fichtner, renommierter Nordic-Walking- und Lauftrainer sowie Gründer des Verbandes der Nordic-Walking-Schulen.

Außerdem werden beim Nordic Walking die Gelenke, Sehnen und Bänder geschont, da sich – anders als beim Joggen – die Füße nie in einer „Flugphase“ befinden und so der Aufprall des Körpergewichts wegfällt. „Ab einem hohen Körpergewicht hat es sich da schnell ‚ausgejoggt‘“, so Fichtner. Daher eignet sich Nordic Walking besonders gut, wenn man Gewicht verlieren möchte. Das Herz-Kreislauf-System erbringt nämlich ähnliche Leistungen wie beispielsweise beim Joggen. So verbrennt man nicht nur Kalorien, sondern verbessert – wenn man regelmäßig Walken geht – seine Ausdauer.

Durch den Einsatz der Stöcke entstehen laut Harald Fichtner noch weitere Vorteile für die Muskulatur und die Gesundheit: „Anders als beim Gehen ohne Stöcke trainiert beim Nordic Walking der gesamte Oberkörper mit“, so der Experte. Die kontinuierliche Vorwärtsbewegung der Nordic-Walking-Stöcke bewirkt ein intensives Training der Rücken-, Arm- und Schultermuskulatur. So können Sie auch Rückenschmerzen vorbeugen.

Die Stöcke unterstützen außerdem das Gleichgewicht, fördern eine aufrechte Haltung und sorgen beim Training für den richtigen Rhythmus. Harald Fichtner ergänzt: „Noch dazu machen wir längere Schritte – das dehnt den Hüftbeuger auf, der durch das viele Sitzen im Alltag verkürzt ist.“ Außerdem tut das regelmäßige Walking an der frischen Luft Körper und Seele zusätzlich gut.

Nordic Walking für Anfängerinnen und Anfänger: So gelingt der Einstieg

Nordic Walking gilt als besonders gut geeignete Ausdauersportart für Einsteigerinnen und Einsteiger, da die Belastung individuell dosierbar ist und gleichzeitig mehrere große Muskelgruppen aktiviert werden. Der Start gelingt am besten mit einem schrittweisen Aufbau:

  • zunächst kurze Strecken in ruhigem Tempo absolvieren
  • den Fokus auf einen gleichmäßigen Bewegungsablauf statt auf Geschwindigkeit setzen
  • Arme aktiv mitführen, ohne zu verspannen 
  • auf eine aufrechte Körperhaltung und stabile Schrittführung achten

Für Anfängerinnen und Anfänger ist es empfehlenswert, mit zwei bis drei Trainingseinheiten von 45 bis 60 Minuten pro Woche zu starten und sich kontinuierlich zu steigern. Dann sind auch vier bis fünf Einheiten möglich. Wer aber anfangs mit Muskelkater zu kämpfen hat, sollte seinem Körper zunächst unbedingt Zeit zur Regeneration gönnen.

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Die richtige Nordic-Walking-Ausrüstung

Beim Nordic Walking darf natürlich eines nicht fehlen: die Stöcke. Und damit hat man in Sachen Equipment fast schon ausgesorgt; sich fürs Walken auszurüsten ist nämlich weit unkomplizierter und günstiger als bei vielen anderen Sportarten. Benötigt werden nur für das jeweilige Wetter geeignete Sportkleidung, Jogging-Schuhe mit gutem Halt und eben die Stöcke – bei diesen sollte man sich unbedingt im Fachgeschäft beraten lassen, so Harald Fichtner. 

Nordic-Walking-Stöcke: Carbon vs. Aluminium

Bei Nordic-Walking-Stöcken ist das Material mehr als nur eine Komfortfrage. Es beeinflusst, wie leicht sich der Stock führen lässt, wie ruhig er schwingt und wie angenehm sich längere Einheiten anfühlen.

  • Carbon-Stöcke sind im Durchschnitt zehn Prozent leichter und dämpfen Vibrationen besser als Modelle aus Aluminium. Gerade auf längeren Strecken oder bei regelmäßigem Training können sie deshalb spürbar angenehmer sein, da Arme und Schultern weniger belastet werden. 

  • Aluminium-Stöcke sind dagegen oft preisgünstiger. Auch gut verarbeitete Modelle aus Aluminium können für Einsteigerinnen und Einsteiger ausreichen – vorausgesetzt, sie werden technisch sauber geführt.

Experten-Hinweis:

Der Experte empfiehlt Stöcke aus Carbon mit System-Handschlaufen. Die Handschlaufen sorgen dafür, dass sich die Kraft über die Schlaufe auf die Handfläche verteilt, statt nur über die Finger. Durch den besseren Stockeinsatz werden Oberkörper, Schultern und Arme stärker aktiviert.

Feste vs. verstellbare Nordic-Walking-Stöcke

  • Beim Nordic Walking werden häufig feste Stöcke empfohlen. Sie sind meist leichter und stabiler als verstellbare Modelle. Da sie keine beweglichen Teile haben, übertragen sie die Kraft direkter und sorgen für ein gleichmäßigeres Bewegungsgefühl.

  • Verstellbare Nordic-Walking-Stöcke sind dagegen einfacher zu transportieren. Auch die Länge der Nordic-Walking-Stöcke lässt sich beim Einstieg leichter ausprobieren. Wichtig ist nur, dass das Verstellen stabil, spielfrei und leicht nachvollziehbar funktioniert. Wenn der Stock wackelt oder sich das Segment unter Belastung verdreht, leidet die Technik.

Wichtig: Die passende Länge der Nordic-Walking-Stöcke ist entscheidend für eine optimale Technik und somit ein effektives Training. Die meisten Hersteller bieten Stöcke in verschiedenen Größen an. Die Länge der Stöcke soll nach Möglichkeit der Körperhöhe und der Schrittlänge angepasst sein.

Stöcke ohne Verstellmöglichkeit sind in der Regel zwischen 90 und 140 cm Länge erhältlich. Es gilt die grobe Faustregel, die eigene Körpergröße mit dem Faktor 0,66 zu multiplizieren:

Geeignete Länge der Nordic-Walking-Stöcke = Körperhöhe in cm x 0,66

Aber auch hier gilt: Am besten einen Fachmann oder eine Fachfrau fragen.

Warum die Handschlaufen wichtig sind

Viele Anfängerinnen und Anfänger achten zuerst auf den Griff und unterschätzen die Handschlaufen. Dabei unterstützen sie beim Nordic Walking den aktiven Stockeinsatz und erleichtern einen sauberen Abdruck nach hinten, ohne dass der Griff dauerhaft fest umklammert werden muss. Besonders sinnvoll sind System-Handschlaufen. Einfache, lose Schlaufen, wie man sie eher von Wanderstöcken kennt, eignen sich dafür meist weniger.

Die richtigen Schuhe für Nordic Walking

Auf befestigten Wegen wie Asphalt sind eine gute Dämpfung und ein flüssiges Abrollen besonders wichtig. Der harte Untergrund belastet Gelenke und Muskulatur stärker. Deshalb sind Nordic-Walking-Schuhe oder leichte Laufschuhe mit moderater Dämpfung hier oft die beste Wahl. Allerdings sollten sie nicht zu weich sein, da eine instabile Sohle den Bewegungsrhythmus und den aktiven Stockeinsatz beeinträchtigen kann.

Anders sieht es auf Waldwegen, Schotter oder feuchtem Untergrund aus. Hier kommt es vor allem auf Bodenhaftung, Stabilität und Halt an. Profilierte Sohlen sorgen dafür, dass der Fuß auch auf Wurzeln, losem Untergrund oder nasser Erde sicher steht. Für solche Strecken eignen sich Nordic-Walking-Schuhe mit Trail-Charakter oder leichte Trailrunning-Modelle in der Regel besser als klassische Asphalt-Laufschuhe.

Wer regelmäßig zwischen Stadtpark, Feldweg und Wald wechselt, fährt mit einem Allround-Modell am besten. Empfehlenswert sind sogenannte „Mixed Ground“- oder „Cross“-Modelle. Wichtig ist außerdem, dass der Schuh nicht zu schwer wirkt. Massive Trailschuhe bieten zwar viel Schutz, können auf Asphalt aber schnell unbequem werden und das natürliche Laufgefühl bremsen.

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Die richtige Nordic-Walking-Technik: Der Diagonalschritt

Die Diagonalschrittechnik ist die Grundlage für alle Anfängerinnen und Anfänger im Nordic Walking. Eine der wichtigsten Regeln: Die Arme schwingen immer mit. „Und zwar diagonal zum Schritt“, erklärt Harald Fichtner. Nordic Walking lebt von rhythmischen Bewegungen und die Schritte sollten lang sein, was durch die Arm-Stock-Arbeit aber automatisch passiert. Und es gilt: entspannen! Anfängerinnen und Anfänger verspannen häufig im Schulter- und Nackenbereich. Um dem vorzubeugen, kann auch helfen, den Blick nach vorne und in die Ferne zu richten.

Als kleine Merkhilfe zur richtigen Haltung beim Nordic Walking kann der Begriff „ALFA-Technik“ dienen:

ALFA-Technik beim Nordic Walking

Diagonalschritt: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Mit dieser detaillierten Anleitung gelingt Ihnen der Diagonalschritt ganz locker – vom Bewegungsablauf bis zur richtigen Haltung. 

Quelle: vdnowas (Verband der Nordic-Walking-Schulen)

Wenn Sie diese Grundtechnik einmal beherrschen, können Sie auch fortgeschrittene Varianten wie etwa den 1-2-Schritt, die Doppelstock-Technik, die Bergauf-Technik oder sogar Nordic Running ausprobieren.

Kostenübernahme der sportärztlichen Vorsorgeuntersuchung

Wer Verletzungsgefahren oder Gesundheitsrisiken vermeiden will, ist mit der sportärztlichen Vorsorgeuntersuchung gut beraten.

Häufige Fehler beim Nordic Walking

Es kann hilfreich sein, sich vorab mit der Technik zu beschäftigen – etwa mit Büchern, Videos oder seriösen Online-Anleitungen. Für den Einstieg empfiehlt Harald Fichtner jedoch, mit einer Trainerin, einem Trainer oder in einem Kurs zu beginnen: „Startet man allein durch, fehlt schlichtweg die Korrektur.“ Und das könne dazu führen, dass Nordic Walking weniger effektiv ist oder Fehlhaltungen eingenommen werden.

Sitzt die Grundtechnik, können auch erfahrene Nordic Walkerinnen und Walker aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis hilfreiches Feedback geben. Gleichzeitig fällt es vielen leichter, regelmäßig zu trainieren, wenn feste Verabredungen bestehen. „Wir kennen das ja alle: Ungern lassen wir unsere Mitmenschen hängen. Sich mit anderen zu treffen und regelmäßige Termine zu machen hilft, den inneren Schweinehund zu überwinden.“

Wer jedoch gesundheitliche Beschwerden hat oder unsicher ist – etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkproblemen oder nach längerer Sportpause –, sollte den Trainingsstart vorsorglich ärztlich abklären lassen. 

Fazit

Nordic Walking ist weit mehr als ein Spaziergang mit Stöcken: Richtig ausgeführt trainiert es Ausdauer, Rücken, Schultern und Beine zugleich, ohne Gelenke und Sehnen stark zu belasten. Entscheidend für den Einstieg sind eine saubere Technik und die passende Ausrüstung. So schaffen Sie eine gute Grundlage für mehr Fitness, Stabilität und Wohlbefinden im Alltag. 

FAQ

Ist Nordic Walking besser als Joggen?

Nicht pauschal. Nordic Walking kann oft die bessere Wahl für Einsteigerinnen und Einsteiger, ältere Menschen oder Personen sein, die ihre Gelenke möglichst schonen möchten. Joggen setzt meist stärkere Trainingsreize in kürzerer Zeit und kann deshalb für Ausdauertraining und Kalorienverbrauch effizienter sein.  

Was ist der Unterschied zwischen Walking und Nordic Walking?

Walking ist zügiges Gehen mit aktiv mitschwingenden Armen. Nordic Walking baut darauf auf, nutzt zusätzlich aber spezielle Stöcke, die den Armeinsatz verstärken. Beide Bewegungsformen sind dynamischer als normales Gehen und belasten den Körper in der Regel weniger als Joggen, weil es keine Flugphase gibt.

Kann man Nordic Walking ohne Kurs lernen?

Ja, das gelingt in vielen Fällen gut. Nordic Walking ist vergleichsweise leicht zu erlernen, wenn Sie auf eine saubere Haltung, die diagonale Armbewegung und den richtigen Stockeinsatz achten.

Wie oft sollte man Nordic Walking machen?

Für die meisten Menschen sind zwei bis drei Einheiten pro Woche ein guter Einstieg, um spürbare Effekte zu erzielen. Anfängerinnen und Anfänger starten am besten mit 45 bis 60 Minuten pro Einheit. Wichtiger als einzelne besonders lange Touren ist eine regelmäßige Routine. So profitieren Gesundheit und Ausdauer am meisten.

Kann man mit Nordic Walking abnehmen?

Ja, wenn man Nordic Walking regelmäßig ausübt und insgesamt weniger Kalorien zu sich nimmt, als man verbraucht. Durchschnittlich verbrennen Nordic Walker bei einer Geschwindigkeit von sechs Stundenkilometern etwa 400 Kalorien pro Stunde. Wer schneller geht und gut trainiert ist, kann sogar bis zu 650 Kalorien verbrennen.

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IKK classic

Veröffentlicht am 16.03.2023

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