Grenzen von Multitasking: Komplexe Aufgaben
Besonders deutlich werden die Grenzen von Multitasking bei komplexen Aufgaben. Das Hin- und Herhüpfen zwischen zwei Tätigkeiten, die unsere Aufmerksamkeit in ähnlicher Weise beanspruchen, kostet Kraft, erhöht das Stressniveau und führt dazu, dass wir das Gefühl haben, alles nur halb zu erledigen. Fehler werden wahrscheinlicher, die Arbeit fühlt sich anstrengender und zugleich weniger befriedigend an.
Das zeigt auch eine Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der FernUniversität in Hagen und der Medical School Hamburg. In Experimenten übten Teilnehmende bis zu zwölf Tage lang, zwei Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten, etwa die Größe eines Kreises einzuschätzen und Tonhöhen zu bewerten. Sie wurden mit der Zeit zwar schneller und machten weniger Fehler, aber das Gehirn arbeitete weiterhin nicht parallel, sondern wechselte nur effizienter zwischen den beiden Aufgaben. Besonders aufschlussreich: Schon kleine Veränderungen im Ablauf – etwa eine leicht veränderte Tonfolge – führten dazu, dass die Fehlerquote wieder anstieg und die Bearbeitungszeit zunahm.
Ähnliche Ergebnisse finden sich in einer anderen Studie zum digitalen Multitasking. Häufige Unterbrechungen und ständiges Wechseln zwischen Apps können die Produktivität deutlich senken, während Fehler zunehmen und das Gedächtnis leidet. Fachleute empfehlen daher, insbesondere in sicherheitskritischen Berufen, stärker auf konzentriertes Arbeiten zu setzen – oft als „Deep Work“ bezeichnet.